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TRADITIONELL IN DER POLE-POSITION -

ZAHLEN UND FAKTEN

1866 -1914: Im Sandtorhafen, der ersten modernen Hafenanlage Hamburgs, können Überseeschiffe direkt an der Kaimauer mit leistungsstarkem Umschlaggerät abgefertigt werden. Er verfügte über bewegliche, von Dampf und später Elektrizität angetriebene Krananlagen, Schuppen zum Zwischenlagern der Ware und – ebenfalls neu – Gleisanschlüsse zwischen den Schuppen und Kränen. Umschlagnahe Logistik, modernste Kaianlagen sowie die direkte Anbindung per Schiene, Straße und Zubringerschiff ans Hinterland waren die drei zentralen Erfolgsfaktoren des Hamburger Hafens. Dank seiner Innovationen und seines vorausschauenden Handelns konnte der Hamburger Hafen die Chancen der damaligen Globalisierungsdynamik erfolgreich nutzen und stieg innerhalb weniger Jahrzehnte in die Spitzengruppe der Welthäfen auf. 1914, vor Beginn des Ersten Weltkriegs, lag Hamburg hinter London und New York auf Platz 3 und war damit der wichtigste Kontinentalhafen Europas.

 

1885: Schon die historische Speicherstadt gilt Zeitgenossen als außerordentlich fortschrittlich: Sie verfügt über neuste Technologien wie z. B. elektrisches Licht, hydraulisch angetriebene Winden und ein eigenes Kraftwerk im Kesselhaus. Zur Errichtung gründen der Hamburger Senat, Kaufleute und die Norddeutsche Bank am 7. März 1885 die Hamburger Freihafen-Lagerhaus-Gesellschaft (HFLG), die direkte Vorgängerin der heutigen HHLA.

 

Ab 1888: Trocken und gut temperiert können in der Speicherstadt hochwertige Güter wie Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze zollfrei gelagert und kommissioniert werden. Dies erfüllt aus heutiger Sicht alle Anforderungen, die an ein modernes Logistikzentrum gestellt würden. Weitere Vorteile sind die unmittelbare Nachbarschaft zum Sandtorhafen und die Einbindung in die Verkehrsnetze zu Wasser, auf der Schiene und der Straße. Die Speicherstadt erweist sich schon bald als eine der drei tragenden Säulen des Hamburger Hafens. Sie ergänzt in idealer Weise den neuen Kaibetrieb im Hafen, für den die 1866 gegründete Staatliche Kaiverwaltung in schneller Folge Hafenbecken und Kaimauern errichtet.

 

1918–1935: Nach dem Einbruch des Handels während des Ersten Weltkriegs erholt sich das Warenaufkommen in den „Goldenen Zwanzigern“. Zwischen 1924 und 1928 legt der Umschlag um 10 Millionen auf fast 30 Millionen Tonnen zu. Ein neuer Trend hilft dabei: spezielle Schuppen für spezielle Umschlagaufgaben. HFLG und Kaiverwaltung stellen sich mit maßgeschneiderten Dienstleistungsangeboten auf die Warenströme aus aller Welt ein, zum Beispiel auf den stark wachsenden Hamburger Fruchthandel. Der Hafen konnte an den Umschlagrekord von 1928 erst 1960 wieder anknüpfen. Die HFLG wirtschaftet von Anfang an profitabel, während die Staatliche Kaiverwaltung zu Beginn der 1930er-Jahre hohe Verluste schreibt. 1935 kommt es durch die Zusammenlegung von HFLG und Kaiverwaltung zur Integration der zweiten Säule des heutigen HHLA Konzerns: dem Hafenumschlag.

 

1939–1945: Ab 1939 heißt das vereinte Unternehmen Hamburger Hafen- und Lagerhaus-Aktiengesellschaft (HHLA). Immer dann, wenn der freie Welthandel eingeschränkt wird, leidet auch der Hamburger Hafen und die HHLA. Nach der Weltwirtschaftskrise lähmt zunächst die handelsfeindliche Autarkiepolitik des NS-Regimes, dann der Zweite Weltkrieg den Hafen. Die Umschlagkapazität des Hamburger Hafens liegt 1945 bei weniger als zwei Millionen Tonnen und entspricht damit dem Stand von 1865 vor der Inbetriebnahme des ersten modernen Hafenbeckens am Sandtorkai.

 

1952: Der Einsatz von Gabelstaplern macht ab 1952 die Handarbeit mit der Sackkarre überflüssig, und die nun aufkommende Verladung auf Paletten treibt die Standardisierung im Güterverkehr voran. Gabelstapler sind allerdings in den mehrstöckigen Lagerhäusern der Speicherstadt wie auch in vielen alten Kaischuppen unter anderem wegen ihres Gewichts kaum einsetzbar. Dieser Fortschritt hat Folgen für die Speicherstadt: Seit den 1970er-Jahren wandern ihre Warenbestände in andere Lagerkomplexe, wo Gabelstapler effizienter manövrieren können.

 

1966: Ende der 1960er-Jahre verändert sich der Hafenumschlag durch zwei Trends radikal. Die HHLA startet 1966 im Sandtorhafen eine Roll-on/Roll-off-Anlage (RoRo). Auch am Burchardkai entsteht bald eine weitere Rampe, über die Autos, Lkw oder große Maschinen in die Frachträume von RoRo-Schiffen rollen. Das geht sehr zügig, da keine komplizierten Hieven per Kran mehr nötig sind. Eine wirkliche Revolution im Hafen löst jedoch der Container aus, der ab 1966 seinen weltweiten Siegeszug auch in Hamburg beginnt. Die neuartige Stahlbox wird zur Norm und zum Treiber der Globalisierung, weil sie Transport und Umschlag drastisch verbilligt.

 

1990: Hamburg ist nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Eisernen Vorhang für mehr als 40 Jahre von seinem natürlichen Hinterland im Osten abgeschnitten. Noch 1938 sind knapp 60 Prozent der Exportladungen aus dieser Region gekommen. Kein Wunder, dass in den 1990er-Jahren nach dem Fall der Mauer das Wachstum im Hamburger Hafen wieder zusätzlich Fahrt aufnimmt. Dies gilt besonders für den Hinterlandverkehr mit der Bahn. Während sich die schnell wachsenden Güterströme auf den Straßen gen Osteuropa stauen, bietet die Schiene eine wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Alternative.

 

2007: Der Börsengang der HHLA am 2. November 2007, schon bald gefolgt von der Aufnahme in den MDAX, markiert einen bedeutenden Meilenstein in der Unternehmensgeschichte. Das bereits im Jahr 2005 in Hamburger Hafen und Logistik Aktiengesellschaft (zuvor Hamburger Hafen- und Lagerhaus-Aktiengesellschaft) umbenannte Unternehmen ist heute in Kernbereichen der europäischen Logistikbranche zukunftsweisend aufgestellt.